Samstag, Oktober 16, 2010

Durchschlag Gotthard Basistunnel

Gestern war es soweit, der 57 km lange Gotthard Basistunnel wurde 14:17 durchbrochen - vorerst nur die Oströhre, die Weströhre soll im April 2011 folgen.


Trotzdem stieg ein grosses Fest und die Politiker zeigten sich selten emotional:
Bundesrat Leuenberger und 
ehem. Bundesrat Ogi umarmen sich.








Ogi wischt sich eine Träne aus dem Gesicht. Er gilt als einer
der Hauptverfechter der Alpentunnels.


Der Durchschlag wurde von einer grossen multimedialen Feier begleitet und das Schweizer Fernsehen hat viele Stunden live von den Festplätzen gesendet.
Performance vom Aktionskünstler Roman Signer beim Festplatz Sedrun:
100 gelbe Bauhelme werden in die Luft gesprengt
Beim Spiegel kann nochmals verfolgt werden, wie die letzten Meter Fels fallen. Die Bohrmaschine ist von der Firma Herrenknecht im südbadischen Schwanau. Erstaunlich wie wenig Staub entsteht als der 9,5 Meter Bohrkopf die letzten Meter Fels einreist. Die ganze Tunnelbohrmaschine ist über 400 Meter lang.

Vier Tunnelbohrmaschinen von Herrenknecht sind am Gotthardtunnel im Einsatz: Gabi I + II, Sissi und Heidi.

Ein spezieller Alpenschutzartikel in der Schweizer Verfassung soll eine Verkehrsverlagerung auf die Schiene bewirken. So richtig glauben kann ich das noch nicht, denn bis jetzt hat ein neues Bauwerk immer zusätzlichen Verkehr angelockt ohne dass eine Verlagerung stattgefunden hätte, ausserdem fehlen wesentliche Anschlussbauwerke in der Schweiz, Deutschland und Italien. 

Der alpenquerende Güterverkehr ist primär eine Folge des verschlafenen Ausbaus der Verkehrsinfrastruktur südlich der Alpen. Norditalien gehört heute zum Hinterland der Häfen Rotterdam, Hamburg und Antwerpen, nicht etwa zu Genua, das nicht einmal mehr unter den zehn grössten Häfen Europas fungiert.

Die Grafik unten zeigt die Güterverkehrsströme in Europa. Blau ist der Verkehr von 2004, rot der Verkehr 2015. Beinahe die Hälfte des Verkehrs beginnt oder endet in Italien, wobei der alpenquerende Verkehr nach Deutschland die wichtigste Rolle spielt. Bis jetzt wird ca. 60 % der Güterverkehrs und 80% des Personenverkehrs nach wie vor auf der Strasse abgewickelt.


Quelle: Präsentation Eurailinfra Projekt (UIC)

übrigens: Der Gotthardtunnel kostet ungefähr 18 Mia CHF (14 Mia €), wovon jeder Schweizer ca. 2'400 CHF (1'840 €) bezahlen muss - ein Betrag, den ich noch gerne locker mache für dieses Bauwerk.

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