Sonntag, August 29, 2010

Unfallursache des entgleisten Autozuges am Arlberg

Auf der Arlberglinie entgleist am 16. Juni 2010 ein Güterzug mit Dacia-Neuwagen aus Rumänien wegen Bremsversagen. Es entstand hoher Sachschaden. welt



Die am Unfall beteiligten Autotransportwagen waren von dieser Bauart:

Die beiden Wagenhälften sind mit einer nur in der Werkstatt trennbaren Kupplung verbunden. Unter dieser verläuft die Hauptleitung, welche mit herkömmlichen Schlauchkupplungen versehene ist. Damit die Leitung nicht zu tief hängt, ist dieser mit einem dünnen Drahtseil an der Wagenkupplung aufgehängt. 

Auslöser des Unfall war das Versagen dieses Drahtseils am ersten Wagen hinter der Lokomotive ungefähr 11 km vor der Entgleisung. Die herunter hängende Hauptleitung verfing sich etwa 6 km vor dem Unfallort an Schienen, die zwischen den Gleisen für den Einbau abgelegt wurden. Der Bremsschlauch der zweiten Wagenhälfte wurde beim Aufprall so nach hinten geschleudert, dass sich die Bremskupplung im Untergestell des Wagen verfing und der Schlauch so abknickte, dass die Luft aus der Hauptleitung des hinteren Zugteils nicht entweichen konnte. Somit blieb der Autozug trotz Trennung der Hauptleitung ohne wirksamer Bremse.

Die 777 t schweren 64 Achsen hatte nur die Bremse der Lokomotive und eine einzige gebremste Achse im Zug. Der Lokführer bemerkte zwar den Druckabfall im vorderen Zugteil, doch die eingeleitete Schnellbremsung nütze ihm nichts - auch die Not-Aus-Taste der Lok konnte die Bremswirkung nicht verbessern, im Gegenteil, denn sie schaltete die elektrische Bremse der Lokomotive aus. Der Zug beschleunigte von 60 km/h auf 120 km/h bevor er entgleiste.

Karte der Unfallstelle:

Entgleisung Arlberg auf einer größeren Karte anzeigen

Auf den ersten Blick handelt es sich um eine Verkettung unglücklicher Umstände. Bei genauerem Hinsehen muss festgestellt werden, dass auch konstruktive Details wie die Befestigung der Bremsleitung zwischen den beiden Wagenhälften nicht vernachlässigt werden dürfen.

Ich denke nicht, dass der Unfall hätte verhindert werden können, wenn die elektrische Bremse der Lok bis zum Schluss zur Verfügung gestanden hätte. Die Bremswirkung wäre zwar stärker gewesen, aber das hätte nicht gereicht um den Zug sicher zum Stehen zu bringen.



 

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