Sonntag, Juni 14, 2009

Bahnverbindungen nach Skandinavien

Der Blog Rasmus' Gedanken hat richtig herausgefunden, dass das öV Angebot in Gedser, Dänemark nicht gerade berauschend ist. Es fährt gerade mal ein Zug pro Tag, wobei am Sonntag eine andere Abfahrtszeit gilt.



Dass diese heute nicht mehr benötigte verwarloste Strecke einmal die schnellste Verbindung zwischen Kopenhagen und Berlin war, glaubt man heute kaum noch. Dies hat mich bewogen, etwas über die für den Schienenverkehr nutzbaren Verbindungen in der Ostsee zu sinieren, deren Geschichte eng mit der Teilung Deutschlands verbunden ist. Ich habe dazu mal eine Karte erstellt:


Die Karte zeigt die für überregionale Verbindngen genutzten Eisenbahnstrecken sowie die Fährlinien.

Die älteste Eisenbahnfähre nach Dänemark war die Verbindung Warnemünde - Gedser. Sie wurde ab 1886 für die Züge Kopenhagen - Berlin genutzt. Nach der Teilung Deutschlands war die Verbindung für Westdeutschland nicht mehr nutzbar, so dass einen neue Verbindung über Fehmarn und Lolland eingerichtet wurde, wo ab 1953 die Fähren zwischen Grossenbrode und Gedser verkehrten. 1963 wurde die Vogelfluglinie mit der Fehmarnsundbrücke und der Fährverbindung Puttgarden - Rødby in Betrieb genommen, so dass die Fähren von Westdeutschland nach Gedser wieder eingestellt wurden.


Die 1963 eröffnete Fehmarnsundbrücke (Wikipedia)

Eine 218 übernimmt Wagen aus Rødby (1984, Inselbahnen)

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands nahm der Verkehr nach Skandinavien stark zu. Um mehr Platz für LKWs und PKWs zu schaffen werden seit 1995 keine Bahnfahrzeuge mehr zwischen Warnemünde und Gedser befördert. Das Fährterminal wurde auf deutscher Seite an eine verkehrsgünstigere Stelle im Hafen Rostock verlegt.


Letzte Fahrt eines Reisezuges über Warnemünde - Gedser: VT 18.16 als Sonderzug Stolteraa im September 1995. Diese Prestigezüge für den internationalen Verkehr wurden in den sechziger Jahren als Konkurrenz zu den Westdeutschen TEE Zügen gebaut. Sie erreichten mit 2000 PS eine Vmax von 160 km/h und wurden auf der Verbindung Berlin - Kopenhagen zwischen 1964 und Ende der siebziger Jahre unter dem Namen Neptun eingesetzt.


1997 wurde die Grosse Belt Querung eröffnet, welche die Vogelfluglinie im Fernverkehr ersetzt. Regionale Verbindungen werden aber weiterhin zwischen Fehmarn und Lolland angeboten.

Grosse Belt Querung
Die Grosse Belt Querung besteht aus der Westbrücke, einer künstlichen Insel, der Ostbrücke und einem Eisenbahntunnel. Die Eisenbahn konnte nicht über die Hängebrücke geführt werden, weil man befürchtete, dass die fahrenden Züge die Brücke mit 1,6 km Spannweite zu Schwingungen anregen könnten.


Grosse Belt Querung
Die Grosse Belt Querung aus der Luft, Blickrichtung Westen. Im Vordergund ist die Strassenbrücke zu sehen. Die Pfeiler haben die Höhe des Eifelturms und stehen in 29 m tiefem Wasser. Im Hintergrund ist die künstliche Insel und die Westbrücke zu sehen.

Seit 2000 ist die feste Schienenverbindung nach Skandinavien Realität. Die Fernzüge im Personen- und Güterverkehr benutzen die Strecke über Jütland - Grosse Belt Querung - Kopenhagen - Öresundbrücke. Dadurch wurde auch der Eisenbahnfährbetrieb zwischen Helsingør und Helsingborg überflüssig.

2007 wird der Bau der Fehmarnbelt-Brücke beschlossen, die ca. 2018 eröffnet werden soll. Diese Brücke macht dänische Strecke Nykøbing Falster - Gedser überflüssig, so dass der einzige noch auf dieser Strecke verkehrende Zug 2010 eingestellt wird. Die Strecke hätte höchsten noch einen Nutzen gehabt, wenn eine feste Querung Rostock - Gedser gebaut worden wäre. Diese Verbindung wäre allerdings wegen ihrer Länge sehr teuer geworden, so dass sie parallel zur Fehmarnbelt-Brücke kaum realisiert wird.


Neben den oben genannten Verbindungen über Dänemark nach Schweden gibt es auch die direkte Verbindung Deutschland - Schweden mit der Königslinie. Sie wird auch heute noch vom privat Betriebenen Schlafwagenzug Berlin - Malmö genutzt. Die Fähre verbindet Rügen mit Trelleborg. Auf Rügen wurde das Fährterminal 1998 von Mukran nach Sassnitz verlegt. Von dort aus Starten auch Fähren für den Güterverkehr nach Litauen und der russischen Exklave Kalingrad.

Weitere Güterverkehrsverbindungen nach Schweden werden zwischen Rostock und Trelleborg, sowie zwischen Schinemünde und Ystad angeboten. Letztere wird durch die polnische Staatsbahn PKP betrieben.

FS Mecklenburg-Vorpommern
Das Fährschiff Mecklenburg-Vorpommern wird von Scandlines auf der Verbindung Rostock-Trelleborg eingesetzt. Es ist eines der grössten Fährschiffe der Welt und kann eine 3200 m lange Autoschlange sowie einen 950 m langen Zug verschlucken. Das Bild zeigt die Fähre im Hafen Trelleborg im Sommer 2008.

PKP Fährschiff Ystad - Swinemünde
Auf der Güterverkehrsverbindung Ystad - Swinemünde setzt die PKP das Fährschiff Jan Śniadecki
ein. Das Schiff wurde 1988 in Schweden gebaut. Foto aus dem Sommer 2008 im Hafen Ystad.




1 Kommentar:

Rasmus99 hat gesagt…

Einmal mehr: Hammermässig recherchiert!

Ich habe am 27.5. die Überfahrt von Rostock nach Gedser gemacht und wollte von dort weiter nach Nyköbing. Die Fähre hatte in Rostock 40 Minuten Verspätung, welche nicht mehr aufgeholt werden konnte. Der Anschluss Fähre - Zug in Gedser wurde gebrochen. Nächster Zug in 23 h 48 Min...
Ich konnte aber auf einen Bus ausweichen, der eine Stunde später fuhr. Allerdings war dann mein Ausflug mit den Lollandsbanen futsch...

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