Mittwoch, März 04, 2009

Deutsche Züge am Bodensee

Hier wieder einmal ein Stück ungenauer Journalistenarbeit am Schweizer Fernsehen in der Sendung Schweiz Aktuell vom 3. März:



Der Beitrag handelt über deutsche Güterzüge, die über die Eisenbahnlinie südlichen entlang des Bodenseeufers durch die Schweiz fahren. Dadurch können die Züge durchgehend elektrisch bespannt werden, ausserdem ist die Strecke auch noch einige Kilometer kürzer.



An dieser Strecke sind noch keine Lärmschutzwände gebaut - einerseits weil die Güterzüge bei der Studie über den Eisenbahnlärm in der Schweiz noch nicht gefahren sind, anderseits weil die Lärmschutzwände an manchen Stellen den Blick auf den See versperren würden.

Der Mehrverkehr auf der Bodenseelinie konnte erst in den letzten Jahren entstehen weil die Formalitäten im europäischen Eisenbahnverkehr vereinfacht worden sind. Obwohl der Reporter altes Rollmaterial sichtet, sehe ich nichts dergleichen.

Im Beitrag ist ein Zug mit Hbis-Schiebewandwagen (wahrscheinlich Papier) und ein Zug mit Abfallcontainern zu sehen.

Zug mit 2-achsigen Schiebewandwagen. Es könnten z.B. Hbbillns 305 sein.


Hbbillns 305 (Foto Heikos-Bahnseite)


Der gleiche Wagen wie oben aber leiser: Die SBB beschaffte 1996 den
gleichen Typ, aber versuchsweise mit Trommelbremsen ausgerüstet. 
Die Wagen sind mit einem auffälligen grünen Anstrich und der Aufschrift 
Decibello unterwegs. (Bild: Rollmaterialverzeichnis Schweizerbahnen)


Zug mit Müllcontainer auf ATCS Wagen


Auserdem erfindet der Journalist das Wort Stromlok und der Thurgauer SVP Ständerat Hermann Bürgi gibt es Rodelmaterial.

Im Beitrag fehlten aus meiner Sicht folgende Punkte:
  • Der Verkehr durch die Schweiz produziert weniger CO2 als wenn er durch Deutschland geführt würde.

  • Es gibt auch leisere Varianten der Hbis Wagen mit Trommelbremsen, aber niemand will diese bezahlen.

  • Der Abfall (wahrscheinlich aus dem Ruhrgebiet) müsste nicht unbedingt so weit transportiert werden nur damit er verbrannt werden kann.

Die Problematik vom Lärm der Verkehrswege wird übrigens im Film Home von Ursula Meier sehr gut aufgenommen. In diesem absurden Drama wird die Lebensfreude einer Familie von einer neu eröffneten Autobahn mehr und mehr eingenommen bis sie resigniert ihr Heim verlässt. Der Film ist etwas skuril, aber empfehlenswert. Jetzt in den Schweizer Kinos.



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